Bei ihm stehen Familie und konservative Werte an erster Stelle
Autor: Pascal Turin
Thomas Lamprecht ist Inhaber einer Schreinerei. Der EDU-Kantonsrat und Vizepräsident der EDU Schweiz setzt sich für Kleinunternehmen, Eigenverantwortung und traditionelle Familienwerte ein. Dass er mit seinen christlich-konservativen Ansichten bei einigen durchaus aneckt, nimmt der Bassersdorfer in Kauf.
Es riecht nach Holz, überall stehen Maschinen herum, der Boden ist tipptopp geputzt und ein Mitarbeiter blickt rasch von seiner Arbeit hoch. „Grüezi“, sagt er knapp und wendet sich wieder seinem Projekt zu. „Ich führe den Schreinerbetrieb in vierter Generation“, sagt Thomas Lamprecht während einer kurzen Führung durch die Räumlichkeiten der Lamprecht Schreinerei in Bassersdorf. Er steht aber kaum mehr an den Maschinen in der Werkstatt. „Ich bin Unternehmer, hole die Aufträge rein, bin für die Produktionsplanung zuständig“, erklärt der EDU-Politiker.
2011 ist Lamprecht von der Eidgenössisch-Demokratischen Union – kurz EDU – angefragt worden, ob er auf ihrer Liste kandidieren möchte. Seit 2018 vertritt der 59-Jährige nun die christlich-konservative Kleinpartei im Zürcher Kantonsrat. „Die Politik hat mich schon immer interessiert. Ich habe vor meiner politischen Karriere EDU und SVP gewählt“, hatte er einmal in einem Interview mit dem Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten gesagt.

Thomas Lamprecht ist bewusst, dass man als Mitglied einer Kleinpartei Beziehungen pflegen muss. „Mir fällt es zum Glück einfach, auf neue Leute zuzugehen.“ Bild: Pascal Turin
Die Kleinpartei EDU hält sich seit 50 Jahren
„Die Partei steht für die Werte ein, die mir wichtig sind. Dazu gehören die Familie und bürgerliche Politik“, so der Vater dreier Kinder.
Die EDU wurde vor 50 Jahren gegründet. Im Mai fand in Huttwil im Kanton Bern eine grosse Jubiläumsfeier statt. „Über 600 Gäste erlebten einen abwechslungsreichen Tag, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte“, freute sich die Partei in einem Bericht auf ihrer Website. Als positives Fazit lasse sich feststellen: Die EDU sei gekommen, um zu bleiben – und sie sei im Jubiläumsjahr 2025 so stark verankert wie nie zuvor.
„Es ist eine konservative, evangelikale Kleinpartei, die vor allem Wählerinnen und Wähler aus dem kirchlichen Milieu anspricht“, heisst es in einem Artikel auf der News-Website des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). „Anders als viele andere Kleinparteien, die mittlerweile von der nationalen Politbühne verschwunden seien, ist die EDU derzeit mit zwei Nationalräten im Bundeshaus vertreten“, so das SRF weiter. Einer davon ist Erich Vontobel aus Bubikon, der auch lange im Kantonsrat sass.
Dass sich die EDU als kleine Partei so lange halten konnte, liegt wohl unter anderem an der treuen Wählerschaft. Im Kantonsrat ist die EDU mit drei Personen vertreten – zur Bildung einer Fraktion sind mindestens fünf Kantonsratsmitglieder nötig. Die EDU hat sich darum der SVP-Fraktion angeschlossen und ist dort klar die Juniorpartnerin. „Wir unterscheiden uns inhaltlich häufig nicht stark von der SVP. Bei uns sind aber die Ausländer ein weniger wichtiges Thema, dafür Familien und die Finanzierung von Kindern“, sagt Lamprecht. Und man unterscheide sich manchmal im Ton. „Wir sind eher gemässigter“, fügt er mit einem Lächeln an.

Mit Genehmung der Lamprecht Schreinerei
In eineinhalb Jahren finden im Kanton die Erneuerungswahlen des Kantonsrates und des Regierungsrates für die Amtsdauer 2027 bis 2031 statt. Der Regierungsrat hat kürzlich den Termin auf den 4. April 2027 festgelegt. Auch Lamprecht will dann wieder antreten. „Es wird sicher wieder ein Hosenlupf, aber ich freue mich schon auf den Wahlkampf“, so der Politiker, der in seiner Freizeit im Turnverein Sport treibt oder gern mit seiner Frau tanzen geht. „Die EDU hat Potenzial, da kann man noch was rausholen.“ Und weil die EDU überschaubar gross sei, könne man als einzelne Person viel bewegen. „Das motiviert mich“, betont Thomas Lamprecht.
Auszug aus Rathuus - Das Politikmagazin / 19.12.2025
